Ist Tagesgeld in 2021 noch sinnvoll?

Dass das Tagesgeld in einer Krise steckt, ist schon lange keine Neuigkeit mehr. Die dauerhaften Niedrigzinsen der EZB haben diese überaus beliebte Anlageform der Deutschen extrem unattraktiv gemacht. Und es wird jedes Jahr schlimmer! In diesem Beitrag zeige ich dir, worum es beim Tagesgeld eigentlich geht, was du machen kannst und wo eventuelle Gefahren lauern.

Was ist der Sinn von Tagesgeld?

Bevor ich dir zeige, was du aktuell tun kannst, um dein Tagesgeld zu optimieren, schauen wir noch mal auf die Basics:

  • Auf das Tagesgeldkonto gehören nur Einlagen, auf die du schnell zurückgreifen können musst (z.B. Notgroschen) – Klasse: ultrakurzfristige Einlage
  • Darüber hinaus eignet es sich für kurzfristige Sparziele, die sich in den nächsten 1-5 Jahren ergeben (neues Auto, Urlaub, aber auch Hauskauf oder Sondertilgungsraten) – Klasse: kurzfristige Einlage*
  • Auch der risikofreie Teil (RFT) deines Anlageportfolios kann dort geparkt werden – Klasse: mittel bis langfristige Einlage*

*Unter Umständen eignen sich die kurz- bis langfristigen Einlagen auch für Festgeld. Allerdings nur, wenn die dort erzielbaren Zinsen die Nichtverfügbarkeit deines Geldes mehr als wettmachen. Aus meiner Sicht reichen 0,1 Prozentpunkte mehr dafür nicht aus.

Warum eignet sich das Tagesgeld so gut dafür?

  • Weil es hier am sichersten gelagert ist. Voraussetzung: Anlage in Heimatwährung (bei dir wohl EUR) und mit deutscher Einlagensicherung
  • Weil es schnell zur Verfügung steht
  • Weil es hier keinen Schwankungen unterliegt. Volatilität spielt hier keine Rolle. Dein einziger Gegner ist die Inflation

Und wenn ich Geld gewinnbringend anlegen will?

Dann ist Tagesgeld der falsche Ansatz. Ein Tagesgeldkonto ist keine Anlageform, um Renditen zu erzielen. Diese holst du dir mit deinem risikobehafteten Teil (RBT) an der Börse. Gelder, die du für diesen Zweck einsetzen möchtest, investierst du dort. Die dortige Volatilität gleichst du mit deinem RFT aus.

Das war nicht immer so. Noch vor einigen Jahren war das Tagesgeldkonto ein guter Baustein im Portfolio, der durchaus Renditen generieren konnte. Diese Zeiten sind leider vorbei.

In meinem E-Mail-Postfach konnte ich über die letzten Jahre immer wieder beobachten, wie die Zinsen meiner Lieblings-Tagesgeldbank (moneyou), immer weiter in den Keller rauschten. Mit jeder Ankündigung der nächsten Zinssenkung wurde das Problem drängender. Selbst bei der niedrigen Inflation der letzten Jahre, waren die permanenten Zinssenkungen zunehmend ein Dorn in meinem Auge. Das gilt auch für die Banken, für die die hohen Einlagen ihrer Kunden ein echtes Problem darstellen.

Das Geschäft ist inzwischen so unattraktiv geworden, dass die ersten Banken ihre Tätigkeit komplett einstellen. Dazu zählt auch meine Lieblings-Tagesgeldbank, ausgerechnet. Der Service, mit nur einer Kundennummer bis zu fünf Unterkonten einrichten zu können, war für die Verwaltung von Spareinlagen unschlagbar. Ähnliche Angebote habe ich bei keiner anderen deutschen Bank mehr gesehen.

Auch die comdirect, eine der Big Player im Bereich der (fast) kostenlosen Girokonten, hat ihr Angebot von Tages- und Festgeldkonten, mit Verweis auf die schwierige Zinssituation, bereits 2020 für Neukunden eingestellt.

Wohin mit meinem Tagesgeld?

Was kannst du machen, wenn dein Geld

  1. Kurzfristig verfügbar
  2. So sicher wie möglich (mind. Einlagensicherung von 100.000 EUR)
  3. Mit ein bisschen Rendite

als Tagesgeld angelegt werden sollen?

Wenn es in Deutschland bleiben soll, ist die Auswahl extrem gering, zumindest was Punkt 3) betrifft. 1) und 2) sind hier aber zumeist immer abgedeckt. Einschlägige Zinsportale liefern hier alle aktuell verfügbaren Möglichkeiten.

Wenn es auch um Rendite gehen soll, bleibt dir ein Blick ins Ausland nicht erspart.

Eine gute Einlagensicherung und gleichzeitig einigermaßen attraktive Zinsen, liefern die skandinavischen Länder Schweden und Norwegen. Dort kannst du häufig Konten in Euro abschließen. Achtung: Sollte es hier zu einem Ausfall kommen, werden die Einlagen in der Landeswährung zurückgezahlt, Stichwort: Währungsschwankungen.

Anlagen mit höheren Zinsen, aber auch mit mehr Risiko verbunden, finden sich in Ländern wie Italien, Griechenland oder Bulgarien. Ob dir das Risiko eines Ausfalles die minimal höheren Zinsen wert ist, musst du selbst beurteilen. Für mich kommen sie nicht in Frage, da ich weder der italienischen Einlagensicherung, noch der Erreichbarkeit von bulgarischen Banken traue. Wenn dich das nicht abschreckt, findest du solche Angebote über Zinsbroker, die allerdings keine Haftung für die Einlagen oder Angebote übernehmen.

Solltest du mehr als 100.000 EUR auf Tagesgeldkonten anlegen wollen, empfehle ich dir, deine Einlagen über mehrere Institute zu streuen, um das Risiko zu minimieren. Berücksichtige dabei die oben genannten Kriterien.

Ich habe mich inzwischen für einen Zinsbroker entschieden, über den ich mehrere Tagesgeldkonten abgeschlossen habe. So streue ich meine Einlagen und kann sie trotzdem zentral verwalten. Dabei nutze ich nur Angebote aus Deutschland und Ländern bester Bonität. Mehr zu Zinsbrokern erfährst du in diesem Beitrag auf mein-finanzweg.de.

Gefahren von Tagesgeld

So lange dein Tagesgeld bei einer deutschen Bank, mit deutscher Einlagensicherung und in Heimatwährung angelegt ist, kann dir nicht viel passieren. Selbst im Falle einer Pleite der Bank, sind deine Einlagen bis zu 100.000 EUR abgesichert.

Das zu beachten ist immens wichtig, wie wir gerade am Scheitern der Greensill-Bank erleben können. Die Bank hatte große Summen von privaten und institutionellen Anlegern eingeworben, mit Hilfe von sehr attraktiven Zinsen. Weil das Firmengeflecht, zu dem die Bank gehört, in Schieflage gekommen ist, hat die Bankenaufsicht Bafin die Bank geschlossen. Sparer kommen also erst mal nicht mehr an ihr Geld (mehr dazu hier).

Risiko gibt es bei jeder Anlage. Gäbe es kein Risiko, gäbe es keine Zinsen dafür.

Das kannst du aber auch als Indikator dafür nutzen, um zu beurteilen, ob ein Angebot vertrauenswürdig ist, oder nicht. Im Fall Greensill lagen die gebotenen Zinsen für eine deutsche Bank weit über den hier marktüblichen. Das sollte dich stutzig machen. Lass nicht die Gier gewinnen, sondern habe weiterhin deine Strategie im Auge.

Fazit

  • Gute Tagesgeldkonten gibt es noch, es mangelt eher an guten Zinsen
  • Es gehören nur bestimmte Gelder auf ein Tagesgeldkonto
  • Nicht Rendite ist das Ziel, sondern Sicherheit
  • Auch bei Tagesgeld gibt es Risiken, die sich von Zeit zu Zeit auch realisieren
  • Passende Angebote findest du bei Vergleichsportalen oder Zinsbrokern

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DISCLAIMER: Dies ist keine Anlageberatung, sondern spiegelt nur die persönliche Meinung des Autors wieder

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Eine Antwort

  1. 6. April 2021

    […] meinem Artikel Ist Tagesgeld in 2021 noch sinnvoll? erkläre ich, warum es auch heute, im Zeitalter der Niedrigzinsen, schlau ist, gewisse Geldbeträge […]

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